
Krankheit, Unfall oder eine fehlende Absicherung können den Urlaub schnell kompliziert machen. Wer sich schon vor der Abreise dagegen wappnet, reist entspannter – und muss im Ernstfall nicht erst unter Druck improvisieren

Urlaub soll erholen, Abstand vom Alltag schaffen und neue Eindrücke ermöglichen. Doch auch auf Reisen können Krankheit, Unfall oder kleinere gesundheitliche Beschwerden schnell zum Problem wegen – egal wie leicht man dazu tendiert, solche unschönen Seiten am liebsten auszublenden.
Aber: Sich darauf vorzubereiten, bedeutet weder, es wahrscheinlicher zu machen, noch, vom Schlimmsten auszugehen. Vielmehr sorgt diese Art der Urlaubsvorbereitung bloß dafür, dass man, falls etwas passiert, nicht erst unter Stress überlegen und recherchieren muss. Doch was genau sollte man tun? Wir verraten es.
Grundsätzlich kann natürlich im Urlaub alles geschehen, das auch zuhause geschehen kann. In der Praxis gibt es jedoch Unterschiede – und sind viele Gesundheitsprobleme nicht dramatisch, aber ärgerlich. Besonders häufig sind Magen-Darm-Beschwerden, Sonnenbrand, Kreislaufprobleme, Insektenstiche, Blasen, Verstauchungen oder Erkältungen durch Klimaanlagen und Wetterwechsel.
Typische Auslöser
Dabei macht es durchaus einen Unterschied, ob Sie einen Kurztrip innerhalb Deutschlands, eine Städtereise in Europa oder eine Fernreise planen.
Bei einer Wochenendreise nach Hamburg oder an die Ostsee ist die medizinische Versorgung in der Regel gut erreichbar. Bei Reisen in entlegenere Regionen, bei Rundreisen oder Fernzielen können hingegen Sprachbarrieren, andere Gesundheitsstandards oder längere Wege zur nächsten Praxis dazukommen.
Auch vermeintlich unkomplizierte Reiseziele sollten nicht unterschätzt werden. Ein verstauchter Fuß auf einer Städtereise, Fieber im Hotel oder ein Magen-Darm-Infekt am Abreisetag sind keine Katastrophen, aber sie verlangen schnelle und praktische Lösungen.
Eine Reiseapotheke ist zwar Pflicht, aber sie muss definitiv nicht groß sein. Denn sie sollte primär die wichtigsten Mittel enthalten, um kleinere Beschwerden selbst zu behandeln oder die Zeit bis zum Arztbesuch zu überbrücken. Was genau sinnvoll ist, hängt vom Ziel, der Reisedauer, der Reiseart, dem Klima und den persönlichen Bedürfnissen ab.

Bei Reisen mit Kindern sollte die Reiseapotheke entsprechend angepasst werden. Bewahren Sie Medikamente außerdem möglichst in der Originalverpackung auf, damit Wirkstoff, Dosierung und Beipackzettel nachvollziehbar bleiben – auch zum Vorzeigen in Apotheken oder Arztpraxen vor Ort.
Viele Reisende gehen davon aus, dass sie mit ihrer gesetzlichen Krankenversicherung im Ausland automatisch vollständig abgesichert sind – leider ein unhaltbarer Irrglaube. Grundsätzlich müssen Sie bereits zwischen EU-Staaten und außereuropäischen Reisezielen unterscheiden:
Innerhalb der EU sowie in weiteren Staaten mit entsprechender Regelung kann die Europäische Krankenversicherungskarte bei medizinisch notwendigen Behandlungen helfen. Die Versorgung richtet sich jedoch nach den Regeln des Reiselandes. Das bedeutet: Es können Eigenanteile entstehen, Leistungen können anders ausfallen als in Deutschland und private Behandlungen werden nicht automatisch übernommen.
Außerdem ist die Karte keine Reiseversicherung und deckt insbesondere keine Kosten für einen Rückflug oder Krankenrücktransport nach Deutschland ab
Außerhalb der EU, des EWR und der Schweiz ist der Schutz durch die gesetzliche Krankenversicherung deutlich eingeschränkter. In Ländern ohne Sozialversicherungsabkommen müssen Behandlungen meist vollständig selbst bezahlt werden; auch bei Abkommen gelten oft besondere Formulare, Regeln und Begrenzungen.

Das Bundesgesundheitsministerium nennt nur enge Ausnahmefälle, in denen gesetzliche Krankenkassen bei privaten Auslandsreisen außerhalb der EU/EWR Kosten für unverzüglich erforderliche Behandlungen übernehmen können. Ein Krankenrücktransport nach Deutschland ist auch hier nicht abgedeckt.
Sobald Sie Deutschlands Grenzen überschreiten, ist der GKV-Schutz zumindest reduziert, wenn nicht sogar völlig unzureichend. Deshalb ist eine zusätzliche Reisekrankenversicherung auch bei kurzen Reisen nahezu immer eine sinnvolle Ergänzung – selbst wenn das Reiseziel innerhalb der EU liegt. Bedenken Sie dabei, dass es auch hier ausschließlich darum geht, eine Lücke zu schließen, die im Ernstfall sehr teuer werden kann.
Egal ob starker Durchfall aufgrund des ungewohnten Essens, schwerer Sonnenbrand mit Schüttelfrost wegen zu viel Strand-Zeit oder handfester Beinbruch: Falls Ihnen im Ausland etwas zustößt, sind Ruhe und ein geordnetes Vorgehen absolut zentral

Dazu sollten Sie unbedingt wichtige Informationen stets griffbereit haben – sowohl auf dem Handy als auch analog im Portemonnaie:

Ebenfalls hilfreich ist es, schon vor der Abreise zu prüfen, wo sich am Reiseziel die nächste Apotheke, Arztpraxis und Klinik befindet. Arztbesuche sollten Sie außerdem grundsätzlich gut dokumentieren. Heben Sie Rechnungen, Rezepte, Arztberichte und Zahlungsbelege auf. Lassen Sie sich Diagnosen und Behandlungen stets schriftlich bestätigen. All diese Unterlagen sind wichtig, wenn später Kosten erstattet werden sollen.
Gesundheitsvorsorge ist kein Angstthema, sondern ein normaler Teil guter Reiseplanung. Niemand möchte im Urlaub krank werden oder sich mit Versicherungsfragen beschäftigen. Genau deshalb sollten die wichtigsten Punkte vorab geklärt sein. Eine passende Reiseapotheke, realistische Einschätzung der Risiken, gespeicherte Notfallnummern und eine geeignete Absicherung sorgen dafür, dass Sie im Ernstfall schneller reagieren können.
Das nimmt dem Urlaub nichts von seiner Leichtigkeit. Im Gegenteil: Gerade wer derart vorbereitet reist, kann entspannter unterwegs sein, weil er weiß, dass im Ernstfall alles Wichtige schon vorab geklärt ist.